Neuer “Run”, neues Glück

December 2nd, 2008

Eintrag Jule

Seit letzte Woche haben unsere neuen “Runs” begonnen, das sind die 3 monatigen Abschnitte, in denen die Assistenzärzte hier von Station zu Station rotieren. Ich habe nun in der Notaufnahme angefangen, und das verspricht spannend zu werden. Hier bin ich nun Internistin, Chirurgin, Kinderchirurgin, Kinderärztin, Orthopädin, Neurologin, Gynäkologin, Augen-und Zahnärztin in einer Person. Hier gibt es nämlich eine gemeinsame Notaufnahme für alles und jeden. Tagsüber ist auch immer ein Oberarzt oder einer der 4 Chefärzte da, nachts steht man dafür alleine vor 20 vollen Kabinen mit einem bunten Sammelsorium an Verletzungen und Unwohlsein, möglichen Eileiterschwangerschaften, Splittern im Auge etc..  Sicher werde ich eine ordentliche Menge lernen, und sicher werde ich auch das ein oder andere mal die Hosen voll haben (leider ist mir schlecht geworden, als ich einen kleinen Jungen versorgen musste, dessen Bruder ihm liebevoll einen Spaten in die Hand gesteckt hat… ich hoffe das legt sich noch vor meinem ersten Nachtdienst…). Aber mehr Spass als die Gerontopsych ist es alle mal, endlich habe ich  mal wieder das Gefühl eine sinnvolle Aufgabe, bzw. überhaupt eine Aufgabe zu haben.

Jon und ich haben beschlossen unsere Pläne zu ändern, damit wir im Sommer/ Herbst reisen können, und nicht wie es ungewollt der Plan war im Winter. Wir werden nun nach diesem Run, also in 3 Monaten, unsere 3 monatige Reise machen und dann nochmal für 3 Monate hier arbeiten. Die Aussicht bald endlich dieses Land näher kennen zulernen ist durchaus beflügelnd.

Jon hat dafür auch die mögliche Oberarztstelle aufgegeben, zu mal die Verwaltung ihn bis jetzt hingehalten hat, da sie immer noch nicht weiß ob der eigentliche Kandidat kommt oder nicht. Für ihn heisst es also zurück in die Chirurgie, aber mit der Aussicht auf baldige 3 Monate Urlaub lässt sich auch dass besser ertragen. Und ausserdem ist heute sein langersehntes  Surfbrett eingetroffen! Da war die Freude gross. Und da ich nun jedes 2. Wochenende in der Notaufnahme Dienst habe, hat Jon auch genug Zeit in aller Ruhe zum Profi zu werden. So, und nun werden wir zum ersten Mal hier ins Kino gehen und uns den neuen Bond angucken.

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Im Osten nichts Neues

November 19th, 2008

Eintrag Jule

Uns plagt das schlechte Gewissen, wenn man auf das Datum des letzten Eintrages schaut, und deshalb sitze ich nun hier. Man muss allerdings sagen, dass es gar nicht viel Neues zu berichten gibt. Ausser die Sache mit dem neuen Bett!! Nach dem wir im Urlaub ja sehr verwöhnt worden sind was Schlafkomfort betrifft und nach der Rückkehr auch noch mit Flöhen in unserem durch-geschlafenem Miet-Bett zu kämpfen hatten, ist es nun endlich da: ein grosses Kingsize Bett (165 x 203) mit schöner harter Matratze. Es ist soooo gross, dass Jon und ich uns per sms Gute-Nacht sagen müssen. Fast jedenfalls. In der Klinik ist noch alles beim alten, ab nächste Woche geht es dann für mich in die Notaufnahme, da sind dann die drei Monate Gerontopsychiatrie um. Freu mich schon auf etwas neues, es war doch leicht öde da unten im Keller, wenn nicht die Patienten für interessante Abwechslungen gesorgt hätten. Den Zahn, mich auf die Notaufnahme zu freuen, haben mir allerdings alle gezogen, die schonmal da gearbeitet haben. 10 Stunden Tage statt 8 Stunden Tage, Schichtdienst, doofe Nächte etc. Aber DIE haben ja auch noch nicht 3 Monate in der Gerontopsych unter Dr. Mohammed gearbeitet. Ein Psychiater arabischer Herkunft, der ein sehr aufgeblasenes Ego hat. Er ist sicher ein guter Mensch, aber er kann schlecht damit um wenn andere, insbesondere Frauen, eine eigene Meinung vertreten oder etwas besser können als er. Ich bin mit ihm ganz gut klar gekommen, denn ich habe immer schön freundlich geguckt und genickt, wenn er mir eine seiner obstrusen Ideen verkauft hat (Ich: “Meinen Sie nicht, wir sollte die Medikation von Mr. J. ändern? Nachts schläft er nicht, ist unruhig und aggressiv, verprügelt Schwestern, und tagsüber pennt er den ganzen Tag. Vielleicht sollten wir ihm, anstatt ihn tagsüber mit Medikamenten ruhig zu stellen, was gutes zum Schlafen geben?” Dr. Mohammed: “Nein, ich glaube der hat Verstopfungen. Darum schläft er nachts nicht und ist aggressiv. Der braucht einen Einlauf!”.  Ich sage ja nicht, das Verstopfungen bei älteren Menschen nicht zu Unwohlsein und Unruhe führen können, aber die Diagnose “Verstopfung” ist für ihn der Schlüssel zu allem….

Nun gut. Mal sehen, was die nächsten 3 Monate bringen werden. Jon hat sich auf eine Stelle als so eine Art “Junior-Oberarzt” in der Orthopädie beworben ( Leser und Leserinnen seien an dieser Stelle noch mal daran erinnert, dass das System der Hierarchien hier in keinster  Weise mit dem unseren zu vergleichen ist, man kann hier schon nach 2 Jahren zum sog. “Registrar” aufsteigen und ist dann am Anfang so was wie Alt-Assistent mit Hintergrunddiensten ist. Man kann aber auch immer noch einen seiner vielen Chefärzte anrufen, wenn man selbst nicht mehr weiter weiss). Wär schön für ihn, wenn das klappt, denn in der Allgemeinchirurgie setzt er langsam Schimmel vor Langeweile an. Ich glaube er war mittlerweile 2 mal im OP… 

Wenn er die Stelle allerdings nicht bekommt, würde das bedeuten, dass wir Anfang/ Mitte Dezember 4 Tage zusammen frei haben und auf unsere kleine Ranch vom letzten mal fahren könnten. Unsere Ranch Mutti Shona haben wir schon gefragt, sie hat geschrieben dass sie an dem Wochenende mit ihrer Ranch und den Pferden auf einer Weihnachtsparade teilnimmt mit Wagen schmücken etc. pp., und sie an dem Wochenende keine Gäste nimmt, unsere Bude sei somit also frei und wir können gerne kommen! Und wenn wir Lust hätten, dann könnten wir gerne mitmachen bei der Parade. Vor meinem geistigen Auge reitet Jon auf dem schwarzen Schwein (siehe Fotos aus dem Coromandel Urlaub) und ich, ja ich, trage einen Schicken BH aus Leder und schwinge ein Lasso auf dem Umzugs-Wagen. So oder so ähnlich….

Heute sind wir beide zuhause geblieben weil wir beide ein wenig kränkeln. Jon hat sich den Magen verstimmt und ich habe einen “Infekt der oberen Atemwege” wie man so schön sagt. Normalerweise hätten wir uns damit trotzdem zur Arbeit getragen unter der Aussicht, dass in 2 Tagen Wochenende ist, aber wir haben beide Samstag und Sonntag  Dienst und dachten uns, wir machen es uns lieber heute gemütlich und kurieren uns gut aus bevor wir am Wochenende ausfallen. Das ist doch mal Arbeitsmoral!

Highlife in Palmy. Und Sommer!

November 8th, 2008

Eintrag Jule

Dieses Wochenende war voll mit netten Dingen! Am Freitag hatte ich das grosse Vergnügen einem neuseeländischen Jungesellinnenabschied (zu Englisch ” Hen Night”) einer Schwester meiner Station beizuwohnen. Das Spektakel unterscheidet sich in auch wirklich keinem Punkt von selbigen Ereignissen in der Heimat, und so fand ich mich mit Aufkleber auf der Brust (” Hen night Party Animal”) und rosa-plüsch Heiligenschein auf dem Kopf in einschlägigen Clubs vor Ort wieder. War aber sehr nett, insbesondere schön mal von Einheimischen in die Kneipenszene eingeführt zu werden. Wir mussten dann auf den rauhen Strassen Palmys sogar noch die Polzei rufen weil eine kleiner, grimmig drein blickender Knirps relativ auffällig alle Autos der Haupsstrasse nach möglichen offenen Türen untersucht hat und grossen Gefallen daran fand mit grimmiger Miene auf die Spiegel zu kloppen. Als die Polizei (2 per Fahrrad, 2 atemlos herbeigerannt) ankam war dann auch die erste Frage ob es sich um einen Maori, also einen Einheimischen handelten. Mussten wir leider bejahen.

Gestern haben wir damit verbracht unser 3. Zimmer einzurichten, dass bislang nur als “ich-schmeiss-mal-rein-womit-ich-gerade-nix-anfangen-kann-und-schliesse-schnell-die-tür” -Zimmer missbraucht wurde. Wir haben beide gemerkt, dass wir hier bislang doch eher provisorisch leben und alles ein wenig spartanisch ist, zudem es nicht unsere eigenen Möbel sind. Zum grössten Teil sind es auch Möbel, die wir eher so gar nicht ausgesucht hätten. Und nun haben wir beschlossen, dass 9 Monate doch so lange sind, dass man es sich so gemütlich wie möglich machen sollte. Nun haben wir uns quasi ein 2. kleines (mini-kleines) Wohnzimmer eingerichtet. Da kann ich mich dann schön einmuggeln, wenn Jon wieder ein Date mit seiner Play-Station hat, dann muss ich weder die ollen Sportkommentare vom Computer noch Jons aufgebrachtes Geschimpfe erdulden. 

p1000225.jpg Gestern abend war ein nettes Gala-Dinner der Klinik mit Aufbretzeln im hiesigen Theater. Der Spassfaktor war hoch, der Alkoholpegel der Menge auch (was ein Ire, von denen wir hier auch viele Kollegen haben, alles in sich hineinschütten kann, unglaublich! Und es gab nicht mal Guiness). Wir hatten wirklich eine Menge Spass, es wurde lecker gespeist, gesungen, und sich mit viel Gelächter auf die Schenkel geklopft.

Heute war dann der erste richtige Sommertag, HERRLICH sag ich Euch! Im Zuge der Miet-Heim-Verschönerung haben wir uns dann im Pflanzengarten des hiesigen Baumarktes ausgetobt und den Nachmittag mit Unkraut zupfen (gibts hier erstaunlicherweise auch….) und Blumen Pflanzen verbracht. 

p1000233.jpg Wir haben uns letzte Woche dann auch dafür entschieden ein grosses Bett zukaufen, nachdem wir im Urlaub den Luxus eines ausreichend grossen Bettes genossen haben konnten wir uns nach der Heimkehr einfach nicht mehr mit unserem klitzekleinen funzeligen Bettchen arrangieren. Zudem wir selbiges auch noch mit unliebsamen Mitbewohnern teilen musste. Die Katzenflöhe der Besitzer-Katze haben an Jon grossen Geschmack gefunden. Wir haben die Biester erfolgreich vergast, aber das hat uns das Bett ein für alle mal madig gemacht, und Dienstag kommt dann unser schönes, grosse, flohfreies, muggeliges Bett. Ich überlege mal, ob ich Mittwoch blau mache und den ganzen Tag im Bett bleibe.